Der Erwerb eines Rolls-Royce oder Bentley
Spiegelnder
Lack, glänzender Chrom, duftendes Leder und makellose Edelhölzer sind
oft nur das Ergebnis jahrelanger, stetiger Investitionen und
schmerzvoller Erfahrungen nach dem Kauf eines „preiswerten“ Rolls-Royce
oder Bentley. Gerade vor Letzterem möchten wir Sie bewahren.
Wie
schon erwähnt gibt es im TOC sehr viele Modelle aus der erfolgreichsten
Baureihe, die Rolls-Royce je angeboten hat, der des Silver Shadow, die
von 1965 bis 1980, als offene Corniche gar bis 1995, als vier- und
zweitürige Saloons und als Cabriolets gefertigt wurden. Zu ihr gehören
der Silver Shadow( inklusive Langversion), Silver Shadow II, Silver
Wraith II, Corniche, Camargue und die entsprechenden Bentley-Automobile
T, T 2 ( ebenfalls plus Langversionen), Corniche und Continental. Und
somit gibt es auch viele Clubmitglieder, die ihre Erfahrungen mit diesen
wunderschönen Automobilen gerne weitergeben. Für denjenigen, der mit
dem Gedanken spielt, einen Rolls-Royce oder Bentley zu erstehen, möchten
wir hier einige Hinweise geben.
Derzeit
bietet sich schon auf dem europäischen Markt ein reichhaltiges Angebot
an Fahrzeugen zu Anschaffungskosten, die man kaum für möglich hält. Zum
Preis eines aktuellen Kleinwagens einen Rolls zu kaufen, mag im ersten
Moment außerordentlich attraktiv sein. Nochmals attraktiver scheinen die
Preise im britischen Königreich zu sein. Hier ist der Markt auch für
ältere und seltenere Modelle noch interessanter. Der US-Markt gar hält
etwa Cabriolets und Klassiker wie den Silver Cloud zu Preisen bereit,
die trotz eventuell fälliger Zoll- und Importkosten einen gewaltigen
Appetit machen. Aber zunächst sollte man sich einige Tatsachen vor Augen
halten:
Der
Markt für Fahrzeuge von Bentley und Rolls-Royce ist derzeit noch ein
Käufermarkt. Die Preise auch für gute Fahrzeuge sind - Stand 2010- auf
einem ungewöhnlich niedrigen Niveau angekommen. Die Nachfrage scheint
gering, obwohl erste Signale in diesem Frühjahr darauf hindeuten, dass
es wieder mehr ernsthafte Interessenten gibt, die auch bereit sind, für
einen guten Wagen mehr Geld auf zu bringen. Das große Angebot etwa in
einschlägigen Internet-Portalen beruht auf mehreren Faktoren. Zunächst
einmal, wie schon oben erwähnt, auf der relativ hohen Produktionszahl.
Und dann vor allem darauf, dass sich die meisten der angebotenen
Fahrzeuge in der Regel in einem bemitleidenswerten Zustand befinden.
Mögen sie äußerlich den Betrachter noch in ihren Bann ziehen können,
müsste doch der technische Zustand oft die entstehenden Illusionen
zerstören, sofern er denn erkannt wird. Denn die Wagen sind seit ihrer
Produktionszeit zwischen 1966 und 1980 - das gilt besonders für die
Saloons- oftmals durch viele Hände gegangen, meist haben sie einen
gewissen „sozialen Abstieg“ hinter sich, der sich vor allem auch darin
ausdrückt, dass bei vielen Haltern schlicht das Geld nicht vorhanden
war, die aufwendige Technik, die regelmäßiger Zuwendung bedarf, zu
warten. Das sind die Wagen, die dann zu fast jedem Preis angeboten
werden. Und weil sie keiner kauft, kommen dann weitere teure
Standschäden hinzu. Daher gilt es für den heutigen Interessenten, sofern
er nicht definitiv ein Restaurationsobjekt sucht, von vornherein das
Risiko eines letztlich zu teuren Kaufs zu verringern. So manches
Clubmitglied wird diesen Hinweis sicher gerne unterstützen, hat es doch
selbst ein erhebliches Lehrgeld zahlen müssen.
Für
einen 12.000 Euro-Shadow kann schnell die doppelte oder gar dreifache
Summe für notwendige Reparaturen fällig werden, bevor das Fahrzeug sich
wieder in einem technisch akzeptablen Zustand befindet, der dem Fahrer
dann auch Spaß macht. Allgemein wird daher dazu geraten, von vornherein
nach einem Wagen Ausschau zu halten, der auch gerade in jüngster Zeit
regelmäßig gewartet wurde und dessen komplexe technische Komponenten in
Ordnung sind. Wenn Sie selbst keine einschlägigen technischen Kenntnisse
haben, bedienen Sie sich bei der Besichtigung von Fahrzeugen eines
fachkundigen Beraters. Für die Beurteilung von US-Fahrzeugen können dort
spezialisierte Gutachterfirmen beauftragt werden, die Ihnen eine
Besichtigungsreise ersparen können. In Verkaufsanzeigen- und das gilt
erst recht für solche des britischen Marktes- werden Sie kaum ehrliche
Hinweise auf den Zustand eines Wagens finden. Die Bilder zeigen meist
makellose Beauties. Nur dem geübten Auge fallen schon hier
Unstimmigkeiten auf. Gerne wird auch auf vermeintlich prominenten
Vorbesitz hingewiesen. Herje, die Wagen sind halt beim Erstverkauf in
Kreise geraten, die mindestens über viel Geld und manchmal auch über
Prominenz verfügten. Aber was soll das heute noch über den Zustand
aussagen? So gilt grundsätzlich, dass jedes Fahrzeug, egal wer es mit
welchen Worten anpreist, individuell zu begutachten ist. Das trifft
natürlich für alle Modelle unserer Marken zu, nicht nur die der
Shadow-Familie. Aber gerade diese Modelle sind ja für viele Enthusiasten
besonders attraktiv. In den Augen der Nichtwissenden, die die
tatsächlichen Kosten für einen Shadow nicht erahnen, sondern nur die
Masse der „Billigangebote“ sehen, gelten sie leider oftmals als Wagen
für „Adabeis“ und „Kronenkraxler“. Wer sich aber von diesem falschen
Image nicht abschrecken lässt, erhält bei Beachtung der Hinweise die
Chance, ein außerordentlich individuelles, dezentes, alltagstaugliches
Automobil zu erwerben, dessen bequemes Fahrverhalten auch mit heutigen
Luxuswagen durchaus mithalten kann. Aber Achtung, die Preise für solch
gepflegte Fahrzeuge liegen zu Recht meist weit über dem
Durchschnittsniveau.
Wir
wollen Sie an dieser Stelle nur sensibilisieren, denn zum Thema hat es
in diversen Fachzeitschriften bereits Artikel gegeben, die sich mit den
zu beachtenden Details auseinander setzen. Besonders dürfen wir auch zu
einer umfassenden Lektüre des unabhängigen deutschsprachigen Rolls-Royce
& Bentley-Forums – www.bentley-forum.de - raten. Es enthält viele Hinweise von Eignern, die ihre Erfahrungen hier weitergeben.
Derzeit
gibt es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zwei Fachbücher, die wir
Ihnen besonders ans Herz legen wollen, wenn Sie mit dem Gedanken
spielen, künftig einen Bentley oder Rolls-Royce Ihr Eigen zu nennen.
Eine Übersicht insbesondere über die Nachkriegsfahrzeuge mit
entsprechenden Kauftipps bietet aus dem Heel-Verlag der Band
„Rolls-Royce & Bentley“ von Jonathan Wood. Vom Bentley Mark VI bis
hin zum Arnage erstreckt sich die interessante Darstellung der
Markengeschichte.
Für
gar derzeit nur € 9,95 erhalten Sie ebenfalls aus dem Heel-Verlag den
Praxisratgeber Rolls-Royce Silver Shadow & Bentley T-Serie von
Malcolm Bobbitt. Er enthält mit vielen Fotos unterlegte Tipps zur
Begutachtung aller Modelle dieser Serien. Ein absolutes Must, das eine
gute Grundlage für das Bewerten von Fahrzeugen schafft.
Natürlich
taucht bei demjenigen, der sich mit dem Gedanken eines Kaufs trägt,
auch die Frage auf, welche Werkstätten denn überhaupt für Wartung und
Instandsetzung eines alten Rolls oder Bentley in Frage kommen. Dazu nur
der Hinweis, dass es jedenfalls die offiziellen Vertretungen der Marken
eher nicht sind. Ihre Fähigkeiten beschränken sich zumeist auf die
aktuellen Fahrzeuge. Für viele Werkstätten sind „unsere“ Wagen Exoten,
mit deren Technik sie zumeist keine Erfahrung haben. So mancher hat viel
Geld dort gelassen, ohne dass ihm tatsächlich geholfen wurde.
Dankenswerter Weise gibt es aber doch einige Adressen, die sich der
älteren Fahrzeuge mit viel Sachverstand annehmen. Und das meist zu
deutlich geringeren Preisen als sie manch Markenwerkstatt selbst
„normaler“ Autos heutzutage verlangt. Wie schon gesagt können Sie hier
im Club viele wertvolle Hinweise erhalten. Bitte haben Sie Verständnis
dafür, dass wir an dieser Stelle von einem Werkstattverzeichnis, das
vermutlich sehr unvollständig wäre, absehen.